Innovative Wasserstoff-Systeme und -Komponenten entstehen in vielen Unternehmen – von Start-Ups bis hin zu etablierten OEMs. Dadurch steigt der Bedarf an Bewertungsverfahren hinsichtlich der Wasserstoff-Eignung dieser Produkte, die Sicherheit, Praxistauglichkeit und Entwicklungsrealität miteinander verbinden. Doch sobald es um Sicherheit, Marktzugang und Produktkonformität geht, stoßen viele Entwickler:innen auf ähnliche Fragen: Welche Normen gelten für mein Produkt und die geplante Anwendung? Welche Labor-Prüfungen sind wirklich notwendig? Und wie lässt sich eine fundierte Bewertung erreichen, ohne gleich ein komplettes formales (und teures) Zertifizierungsprogramm zu durchlaufen? Und danach vielleicht gleich noch eines für eine andere Anwendung?
Grenzen von klassischen Normen und Regeln
Die bestehenden Normen und Richtlinien leisten wichtige Arbeit, doch sie haben oft signifikante Nachteile:
- Sie sind oft sehr umfassend und umfangreich, dadurch zeit- und kostenintensiv in der Prüfung;
- Oder sie bilden, im Gegenteil, nur einen Teilaspekt der Wasserstoff-Eignung eines Produkts ab und fokussieren sich beispielsweise auf die Werkstoff-Verträglichkeit;
- Sie sind nicht gut auf den Entwicklungsstand vieler Produkte abgestimmt: Viele Hersteller müssen mit mangelndem Wissen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit ihres Produkts in die Zertifizierung starten – und falls die dann schiefgeht, wird’s teuer.
Vor diesem Hintergrund ist in den letzten Monaten bei der batch2 engineering GmbH in Zusammenarbeit mit der WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG ein neuer, pragmatischer Ansatz zur Bewertung der Wasserstoff-Eignung von Produkten entstanden.
Die Herausforderung: Zwischen Entwicklung und formaler Zertifizierung
Wasserstoff-Industrienormen und -regeln, die in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten z. B. auf ISO-, CEN- oder CSA-Ebene entwickelt wurden, bilden das Fundament für die finale Zertifizierung und Zulassung eines Produkts oder Systems. Gleichzeitig haben sie aber die oben genannten Nachteile, die sie für den frühen Entwicklungs- und Innovationsprozess wenig geeignet machen. Gerade für frühe Produkt-Versionen entstehen so Lücken: Es fehlt eine klare, pragmatische Orientierung, welche Prüfungen zur der Wasserstoff-Sicherheit und -Eignung des Produkts wirklich notwendig sind und wie der zugehörige Nachweis erfolgen kann.
Warum ein eigener H₂-Standard entstehen musste
In vielen Projekten zeigt sich: Die Diskussion über Konformität wird schnell abstrakt, sobald man sich ausschließlich auf existierende Normen und Regelwerke verlässt. Gängige Fragen lauten zum Beispiel:
- Welche Materialeigenschaften sind für die Wasserstoff-Anwendung wirklich kritisch?
- Welche Prüfungen müssen im Labor durchgeführt werden? Wo lässt sich ein Nachweis stattdessen vielleicht auch anhand dokumentierter Kriterien begründen?
- Wie kann man eine nachvollziehbare Bewertung der Wasserstoff-Eignung eines Produkts erreichen, bevor der formale Zertifizierungsprozess startet (und im schlimmsten Fall vielleicht nicht gelingt)?
An dieser Stelle setzt der neue LAUNCH2-Standard für Wasserstoff-Kompatibilität und -Sicherheit an. Der Standard versteht sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Normen und Richtlinien, sondern als risikobasierter und pragmatischer Bewertungsrahmen, der eine erste, kosteneffiziente Orientierung zur Wasserstoff-Eignung von Produkten und Systemen gibt, aber gleichzeitig auch sehr solide technische Nachweise liefert.
Die Grundidee: Schlank, risikobasiert, anwendungsnah
LAUNCH2 verfolgt drei wesentliche Prinzipien:
- Risikoorientierung: Prüfungen und Nachweise werden nicht starr, sondern im Kontext der realen Betriebsbedingungen definiert.
- Kombinierte Bewertung: Statt ausschließlich laborbasierter Prüfungen werden auch dokumentarische Nachweise herangezogen – etwa Materialanalysen, Lieferanteninformationen und rechnerische oder simulationsbasierte Nachweise
- Praxisbezogener Fokus: Der Standard hilft dabei, früh und kosteneffizient eine fundierte Aussage über Wasserstoff-Tauglichkeit von Materialien und Wasserstoff-Eignung von Systemen und Komponenten zu treffen.
Die drei Säulen der Bewertung
Statt auf einer starren Anforderungsliste, wie sie in der Regel in den genannten Industrie-Normen zu finden ist, basiert der Standard auf einem dreigliedrigen Bewertungsansatz:
1. Bewertung der Werkstoff-Verträglichkeit
Die Wechselwirkung von Wasserstoff mit metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen erfolgt hier z. B. im Hinblick auf Versprödung, Permeation und Alterungsprozesse. Der Standard definiert, welche Kriterien für welchen Werkstoff relevant sind und wie ein sinnvoller Nachweis geführt werden kann.
2. Komponenten-Prüfung
Mechanische Eigenschaften, Dichtheit und Dauerhaltbarkeit sind entscheidend, wenn Komponenten unter Wasserstoff beansprucht werden. Der Standard definiert Anforderungen und Parameter für zielgerichtete Wasserstoff-Komponenten-Prüfungen, die sich an den realen (oder geplanten) Betriebsbedingungen orientieren. Der Nachweis erfolgt dabei, je nach Anforderung, auf Basis von Labor- und/oder dokumentarischen Prüfungen.
3. Nicht-laborbasierte Nachweise
Nicht immer sind aufwändige Laborprüfungen erforderlich, um eine passende Aussage zur Wasserstoff-Verträglichkeit oder -Eignung zu erreichen. Sicherheitsdatenblätter, Zeugnisse, Berechnungen, Simulationsergebnisse und praktische Erfahrungen aus vergleichbaren Anwendungen, die beim Hersteller bereits vorhanden sind, können ebenfalls valide Nachweise liefern. Dieser hybride Ansatz erlaubt es, Labor-Prüfungen dort zu konzentrieren, wo sie technisch sinnvoll und aussagekräftig sind, und gleichzeitig Ressourcen zu sparen.
Was der Standard liefert und was nicht
Am Ende des Bewertungsprozesses nach dem neuen LAUNCH2-Standard steht keine formale Zertifizierung im klassischen Sinne, sondern ein Statement of Conformity für Wasserstoff-Anwendungen. Dieses Statement dokumentiert:
- Unter welchen Bedingungen ein Produkt als H₂-tauglich eingestuft werden kann,
- welche Nachweise und Prüfungen zur Bewertung geführt wurden, und
- welche Einschränkungen oder Anwendungsgrenzen bestehen.
Das Statement bildet eine transparente, nachvollziehbare Grundlage für weitere Schritte – sei es die interne Produktentwicklung, die Marketing-Strategie oder nächste Schritt zur formalen Zertifizierung bzw. Zulassung des Produkts oder Systems.
Schneller, kosteneffizienter Nachweis der Wasserstoff-Eignung mit LAUNCH2
Wasserstoff-Sicherheit entsteht nicht allein durch Normen und Zertifikate, sondern durch passende Prüf- und Bewertungsstrategien.
Unser H₂-Standard versteht sich als kosteneffiziente Brücke zwischen Entwicklung und Zertifizierung. Er schafft eine technisch fundierte, aber pragmatische Bewertungslogik, die es ermöglicht, Risiken frühzeitig zu erkennen, zu dokumentieren und verantwortungsvoll einzuordnen.
Fachlich fundierte Aussagen zur Wasserstoff-Eignung, aber schlank, schnell und kosteneffizient – das ist LAUNCH2.

